Die Tarantella – Tanz mit Leidenschaft und gutem Gewissen

Ein ausgestossener Ton, den man nicht verschriftlichen kann, dafür umso amüsanter das Bild: Ich erinnere mich, wie meine Mutter – wie von der Tarantel gestochen – bei einem Waldspaziergang in der Nähe von Pomarico einen erstaunlich sportlichen Satz machte, vom einen zum anderen Wegesrand, mit den Armen fuchtelnd. – Eine Schlange! Prolog Ich habe zwar … Weiterlesen Die Tarantella – Tanz mit Leidenschaft und gutem Gewissen

Maiatica und Co. – Oliven und das flüssige Gold

«Kennst Du das Cultivar oder die Cultivare, die in diesem Öl stecken?» – Ich muss mich unvermittelt etwas räuspern; nicht etwa, weil das Olivenöl, das ich gerade verköstige, im Hals sanft kratzt, vielmehr aus Verlegenheit. «Ich meine die Sorten, die verwendet wurden», sagt Gabriele schmunzelnd und verzieht seinen Mund, während er die goldene Substanz zwischen … Weiterlesen Maiatica und Co. – Oliven und das flüssige Gold

In Ohren, Mark und Bein: Musik, Tanz und Instrumente in der Basilicata

Was das Christuskind wohl zur Musik sagt? Ich betrachte die Figur eines Dudelsackspielers auf der grossen Krippenlandschaft. Ich habe vor der grossen Anlage in einem Seitenraum der grossen Kirche von Picciano Halt gemacht und festgestellt, dass die Figuren – zwar um einiges grösser – unseren Exemplaren gleichen, die im Hausbrand nach jahrelangem Sammeln ihr Ende … Weiterlesen In Ohren, Mark und Bein: Musik, Tanz und Instrumente in der Basilicata

«Basta che si sta bene» – Hymnen an die Basilicata und Oden an den Reichtum der Genügsamkeit

«Basta che si sta bene.» – «Hauptsache, es geht einem gut.» Die zierliche, kaum 1,50 Meter grosse Frau in schwarzem Gewand (die übliche Tracht der Witwen, die bis vor kurzem praktisch alle Frauen trugen), streicht sich über das von Falten zerfurchte Gesicht und schaut in die Ferne. Sie sagt es immer wieder, als ob sie … Weiterlesen «Basta che si sta bene» – Hymnen an die Basilicata und Oden an den Reichtum der Genügsamkeit

Mystische Begegnungen und Erfahrungen: Die Hochzeit der Bäume

Kürzlich habe ich gelesen, dass seit 2013 in verschiedenen südamerikanischen Ländern Hochzeiten zwischen Menschen und Bäumen gefeiert werden; die Aktion wurde von einem Schauspieler angeregt, der selbst bereits in Polygamie mit mehreren Bäumen lebt, und hat einen ernsten Hintergrund: Mit diesen Feiern sollte ein Zeichen gegen die fortschreitende und vor allem illegale Abholzung gesetzt werden.[1] … Weiterlesen Mystische Begegnungen und Erfahrungen: Die Hochzeit der Bäume

Auf den Spuren der «strade ferrate»: Eisenbahn in der Basilicata

Ich treffe Christus am Kiosk an der Piazza Matteoti in Matera. «Siehst Du das rötliche Gebäude geradeaus?» Er nickt. «Das ist der Bahnhof von Matera.» Da mich mein Reisegefährte ungläubig anschaut, zumal keine Gleise sichtbar sind und ich ihm eine Bahnfahrt über die Alta Murgia versprochen habe, hole ich weiter aus: «Für die einen ist … Weiterlesen Auf den Spuren der «strade ferrate»: Eisenbahn in der Basilicata

Maria Magdalenas Auferstehung als Apostolin – Auf Reise in einer suggestiven Landschaft und Filmkulisse

Es waren eiskalte Novembertage, als 2016 wieder einmal eine Film-Crew Matera für eine grössere Produktion in Beschlag genommen hatte. Unzählige Komparsinnen und Komparsen, die man aus der Gegend rekrutiert hatte, warten in Gewändern aus biblischen Zeiten und Sandalen auf Anweisungen. Ich will mir nicht ausmalen, wie erfrischend etwa die Taufszenen bei diesen Temperaturen im Wasser … Weiterlesen Maria Magdalenas Auferstehung als Apostolin – Auf Reise in einer suggestiven Landschaft und Filmkulisse

Der «Cucù» von Matera – Ein Hahn im Korb der Souvenirs

Von der letzten Frühlingsreise vor dem Brand unseres Elternhauses brachte mein Vater aus Matera einen Cucù mit nach Hause: ein kleiner Vogel aus Terrakotta, auf dem man pfeifen kann. Meine von der Reise müde Mutter nervte in diesem Moment das etwas schrille Geräusch, die anderen nahmen den Gegenstand zur Kenntnis, die Neugier der Kinder dauerte … Weiterlesen Der «Cucù» von Matera – Ein Hahn im Korb der Souvenirs

«Quo vadis?» – Das faltige Gesicht einer alten Landschaft voller Kontraste

Wir fahren mit dem Zug von Potenza her kommend in das Basento-Tal; Grassano, auf den Spuren Carlo Levis, der die Landschaft damals um einiges langsamer als wir auf sich einwirken lassen konnte. Bald sind wir da, nächster Halt Ferrandina. Christus blickt in die Ferne. Unser Blick folgt den vorbeiziehenden Hügelzügen, die das Tal säumen. Ungeordnete … Weiterlesen «Quo vadis?» – Das faltige Gesicht einer alten Landschaft voller Kontraste

Die «Colomba Pomaricana» – Ein österlicher Schlüsselmoment auf dem Tisch

Scarcèdd – eines dieser Wörter, die ich mir lange nie merken konnte. Man verzieht dabei vielleicht etwas den Mund, bis man es sprachlich und in der richtigen Intonation hinkriegt. Und eine ähnliche Mimik meint man im Gesicht eines Nordländers zu erkennen, wenn man dieser Person erzählt, worum es sich bei diesem auf den ersten Blick … Weiterlesen Die «Colomba Pomaricana» – Ein österlicher Schlüsselmoment auf dem Tisch

«Cucina povera»: Auf der Suche nach dem Reichtum der Arme-Leute-Küche

«Lieber mit leerem Magen zu Bett gehen als morgens mit Schulden aufwachen.» So lautet eine der vielen sprichwörtlichen Weisheiten der einst sehr armen Gegend, die auch immer wieder den Bereich des Essens berühren. Natürlich spielt das Sprichwort auf das harte Leben auf der lukanischen Erde – ob auf den Hügeln, in den Bergen, auf den … Weiterlesen «Cucina povera»: Auf der Suche nach dem Reichtum der Arme-Leute-Küche

«Ich bin dunkel, aber schön» – Die Königin der Basilicata

Etwas so nebenbei: «Weisst Du, dass die Basilicata eine Königin hat?» – Christus macht ein erstauntes Gesicht. «Ja, die Bauern und Hirten haben eine mächtige Beschützerin. Es ist niemand geringeres als deine Mutter…». Ich blättere gerade in einem Reiseführer und zeige Christus das Bild einer thronenden Madonna mit Kind. «Oh, da bin ich ja schon … Weiterlesen «Ich bin dunkel, aber schön» – Die Königin der Basilicata

Grüne Schätze – Auch Kohlköpfe können Gesundes essen

«Er ist ein richtiger Stängelkohl!» – So müsste man das wohl übersetzen; und es verliert dabei sogleich gänzlich an Klang und Wirkung. «È una vera cima di rapa!» – Das Original klingt schon besser, aber es fehlt noch etwas. Richtig: eine Handbewegung. – Italienisch ist bekanntlich eine Sprache mit viel Körpereinsatz und verfügt über einen … Weiterlesen Grüne Schätze – Auch Kohlköpfe können Gesundes essen

Wo ist Chitaridd? – Banditen, Räuber, Sozialrebellen und Lukaniens letzter Brigant

«Wer ist das?» – Wir stehen an einem Stand eines jungen Verkäufers in den Sassi von Matera. Christus nimmt neugierig eines der schwarzen T-Shirts in die Hand und mustert die darauf abgedruckte Person. «Chitaridd», antwortet der junge Verkäufer, «der letzte Brigant.» – «Unser Brigant», fügt ein anderer augenzwinkernd hinzu, und schon nähern sich Personen, die … Weiterlesen Wo ist Chitaridd? – Banditen, Räuber, Sozialrebellen und Lukaniens letzter Brigant

Aus Bitterem wächst Süsses – Der Birnbaum in uns

«Halt an, halt an». Ich drücke auf die Bremse – keine Vollbremsung, dafür tuckern wir auf dieser von Bäumen und Gebüschen gesäumten Landstrasse voller Schlaglöcher und ausgewaschenen Unebenheiten ohnehin schon viel zu langsam. Die Bremsung wirbelt trotzdem gehörig Staub auf; es ist trocken und heiss an diesem Julinachmittag. Wir müssen nirgends hin, wir sind nur … Weiterlesen Aus Bitterem wächst Süsses – Der Birnbaum in uns

«Amara terra» – Bittere Wahrheiten

«Amara terra mia, amara e bella» – Domenico Modugnos Stimme klingt aus dem Lautsprecher. Einige Gäste blicken andächtig auf und lassen sich von den Klängen für einen Moment ergreifen. Die italienische Version dessen, was wir als Schlager bezeichnen, ist im Süden vielleicht noch etwas mehr als das: Es ist die vertonte Volksseele und die Klänge … Weiterlesen «Amara terra» – Bittere Wahrheiten

Auf ein Wort: «Lucania» oder «Basilicata»?

Ein Bekannter in Pomarico erzählt mir folgende Geschichte und forderte mich auf, seine Beobachtungen umgehend auf Google-Maps nachzuvollziehen, ein multimediales Erlebnis also: 1969 verbringt er seine Sommerferien in Riccione bei Rimini. Der aufmerksame Tourist aus dem Süden bemerkt bald, dass er an diesem Ferienort in ganz Italien in den Ferien zu Gast zu sein scheint … Weiterlesen Auf ein Wort: «Lucania» oder «Basilicata»?

Einblicke: Das unsichtbare Herz Süditaliens

Der Film beginnt monumental: Langsam dreht sich der Globus, und wie die Ansicht mit Afrika und Europa ins Blickfeld kommt, hört man eine Stimme: «Buongiorno, ich bin Gott.» – Hoppla! – War ja klar: Nachdem Christus angeblich nur bis Eboli gekommen ist, musste sich irgendwann ja einmal sein Vater melden, um nach dem Rechten zu … Weiterlesen Einblicke: Das unsichtbare Herz Süditaliens

Feigen – Paradiesische Früchtchen

«Che figo», ruft mir die Tante des Bräutigams mit anerkennendem Blick zu. Jaja, ich habe es gerade noch geschafft, die Falten aus dem Anzug zu bekommen, der im Koffer etwas gelitten hat. Das Kompliment tat der nach kurzer Nacht etwas ungebügelten Seele trotzdem gut. Aber «Figo»? – Was habe ich mit einer Feige (il fico) … Weiterlesen Feigen – Paradiesische Früchtchen