Mystische Begegnungen und Erfahrungen: Die Hochzeit der Bäume

Kürzlich habe ich gelesen, dass seit 2013 in verschiedenen südamerikanischen Ländern Hochzeiten zwischen Menschen und Bäumen gefeiert werden; die Aktion wurde von einem Schauspieler angeregt, der selbst bereits in Polygamie mit mehreren Bäumen lebt, und hat einen ernsten Hintergrund: Mit diesen Feiern sollte ein Zeichen gegen die fortschreitende und vor allem illegale Abholzung gesetzt werden.[1] Bemerkenswert fand ich in den Berichten zudem der Hinweis, der keinesfalls nebensächlich zu sein scheint: Die Vermählungen sind als solche zwar nicht rechtlich bindend, die symbolischen Hochzeiten sollen aber auf traditionellen Inka-Bräuchen basieren. Dazu hätte ich gerne mehr erfahren, denn die Verehrung von Bäumen ist in vielen Kulturen bis heute vorhanden. – Und das gibt mir die Gelegenheit, dir von einem sehr alten Baumritus in der Basilicata zu erzählen, den ich entdeckt habe und dessen Betrachtung wiederum zu ganz existenziellen Überlegungen führt.

Das führt uns in den Frühling. Das Leben spreisst. Es wird geliebt und geheiratet. – Auch unter Bäumen! In der Basilicata kann man eine ganz besondere Hochzeit erleben, deren Ritus uns zum Morgengrauen der Menschheits- und Kulturgeschichte in Europa führt, eine ganz besondere Liebe, denn im waldreichen Lukanien an den Ausläufern des Apennin heiraten Bäume – jedes Jahr und ursprünglich nur im Frühling in der Zeit zwischen Ostern und Pfingsten, wie es die Christen dann nannten.

Die Entdeckung eines alten Ritus

Natürlich müssen Menschen da etwas nachhelfen. In der Basilicata leben keine Ents – jene uralten und weisen Baumriesen in der Tolkien Fantasy-Trilogie «Herr der Ringe», welche alle Zeiten überlebt haben und erstaunlich gut zu Fuss – zu Wurzel – sind. Ursprünglich und alt aber ist der Ritus und intuitiv sofort eingängig: Die «Hochzeit» besteht aus einer Vereinigung zweier unterschiedlicher Bäume, indem einem hohen Stamm, dem Bräutigam, eine Baumkrone, die Braut, in einem festlichen Akt und nach genauen Regeln aufgepfropft wird. Die beiden werden dann als Ganzes aufgerichtet und gefeiert. – Was hier rituell erfolgt, ist in der Natur beobachtet und funktioniert bekanntlich in anderen Zusammenhängen gut, wenn man es richtig macht: das sogenannte Überpflanzen oder Pfropfen – italienisch innestare, – bei dem ein geeignetes Stück einer Pflanze mit einer sogenannten Unterlage vereinigt wird, um auf diese Weise die Vermehrung dieser Pflanze zu ermöglichen. Die Unterlage spendet dazu die Kraft und sorgt für die Ernährung.

Ein Wort zu Hochzeiten

Soweit in Kürze der Teil mit der Aufklärung. – Bevor ich aber über die Bäume gestolpert bin, wollte ich schon längst auch etwas über Hochzeiten schreiben, Hochzeiten unter Menschen. – Ich habe immer wieder gerne süditalienische Feiern besucht und mich von der spontanen und fröhlichen Ausgelassenheit mediterranen Temperaments anstecken lassen. – Aber dann bin ich etwas ins Grübeln geraten; was soll man heutzutage darüber sagen? Die Moderne ist ja unterdessen auch in Fragen der Partnerwahl und Familienplanung in der Basilicata angekommen, was nicht mehr in jedem Fall zu einem formalisierten Miteinander führen muss.

Eine Hochzeit kann im Süden bisweilen etwas Nervosität auslösen; ich habe sehr besorgte Eltern erlebt: Neben aller Ausgelassenheit des festlichen Teils, auf den sich alle freuen, waren zwar schon immer viele soziale Formalitäten einzuhalten, aber heutzutage steht der Anlass nicht selten unter einem gewissen Druck, der hohe Auslagen, sogar Verschuldung bei den Familien des Brautpaares und bei den Gästen Bedenken auslösen kann, denn Geschenke machen ist Pflicht. Und wer eingeladen wird, muss auch wiederum einladen. Nicht verwunderlich also, wenn die etwas übertrieben erscheinenden Dimensionen, was Essen, Musik und andere Faktoren betrifft, junge Leute heute davon abschrecken können, mit allem Drum und Dran zu heiraten – oder eben eine Hochzeit zu besuchen. – Die Frage, ob beim Eheschluss die Kirche eine Rolle spielt, ist eine andere und hängt zum Beispiel von Gegend sowie Familientradition ab – ist aber keine Aussage darüber, wie das Brautpaar innerlich zu diesem «Programmpunkt» steht. Ich habe Hochzeiten erlebt, bei welchem ein grosser Teil der Gesellschaft ausserhalb der Kirche, auf Plätzen und in Bars, rauchend, schwatzend Kaffee trinkend wartete, bis sie – einem mir nicht fassbaren Signal folgend – plötzlich aufgestanden und sich in die Kirche geschlichen haben, um dem Sakrament beizuwohnen.

Erstaunlich also, wie die einen Zwänge von anderen abgelöst worden sind. – Zudem waren früher die Dimensionen eines solchen Festes natürlich um einiges bescheidener. Was trotzdem viel Aufwand bedeuten konnte, der aber nicht eingekauft, sondern innerhalb der Sippen zu leisten und Bestandteil der Zeremonie war: Kochen, Kochen und nochmals Kochen zum Beispiel. Dass in den Möglichkeiten grosse soziale und ökonomische Unterschiede bestanden, versteht sich von selbst. Mein Vater schlich sich mit seinen Freunden als Junge ab und zu auf solche Anlässe, um für einmal etwas Süsses zu ergattern, Gebäcke etwa, die es traditionsgemäss nur zu solchen Gelegenheiten und nicht bei jedem gab.

Hochzeiten sind Feiern des Lebens

Was geblieben ist, ist das Fest als solches und damit die Urahnung, dass mit einer Hochzeit vor allem etwas gefeiert wird: das Leben – Fortbestand, Fruchtbarkeit und Gedeihen. Das Glück der einen soll auch auf die anderen in dieser Gemeinschaft abfallen. Und solches lässt sich in jenen Baumhochzeiten durchaus erahnen, die sich an verschiedenen Orten in der Basilicata erhalten haben. Damit zurück zu den Bäumen.

Um diesen Ritus etwas besser zu verstehen, reisen wir von Matera circa 80 Kilometer Richtung Süden: nach Accettura. Ein kleines Dorf mit grosser Tradition. Hier hat sich ein Baumritus erhalten, der sich Maggio di Accettura nennt und mittlerweile aus touristischer Perspektive und als folkloristischer Anlass internationale Bekanntheit erlangt hat. Der Maggio ist nicht nur der Monat Mai, es ist der Name des Baums, der um Pfingsten jeweils auf dem Dorfplatz aufgerichtet wird.

Beispiel: «Maggio di Accettura»

Die Hochzeit beginnt mit der Anbahnung: Schon am ersten Sonntag nach Ostern schwärmt eine Gruppe von Freiwilligen in den Wald von Montepiano aus, um den Bräutigam auszusuchen. Hochgewachsen, möglichst gerade und gesund soll er sein. Die Wahl ist ritualisiert und wird von wenigen Experten durchgeführt. Die ausgewählte Zerreiche wird markiert: Das Siegel von San Giuliano, zu dessen Ehren das Ganze offiziell abläuft, wird eingehämmert. Es braucht aber sozusagen noch Spaliere: Weitere Eichen werden ausgesucht, die den Bräutigam ins Dorf begleiten werden und dann für die Aufrichtung des Maggio verwendet werden. Übrigens, der Ritus ist natürlich älter als der Staat: Es ist gesetzlich geregelt, dass die Bäume von der Gemeinde kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Dass der ganze Anlass im Wald mit Verpflegung und festlichen Elementen umrahmt ist, versteht sich fast von selbst.

Ein ähnliches Schauspiel ereignet sich am Sonntag darauf in einem anderen Wald – das scheint bei den meisten Festen so zu sein – zur Bestimmung der Braut. Bis heute kursieren in unserer Region übrigens Sprichwörter, die dazu raten, sich über das Dorf hinaus zu verheiraten, aber das ist eine andere Geschichte. Genauso wie die traditionelle Frage «Zu dir oder zu mir?», die früher klarer war und sich auf die Zeit der offiziellen Vermählung bezieht: Die Braut zieht zum Bräutigam. Der Weg der Baumkrone ist um einiges länger (gut 15 Kilometer). Wichtig ist, dass es eine immergrüne Pflanze sein muss, deren Krone (la cima) dann mit dem Stamm verheiratet wird. Im Falle von Accettura wird im Wald von Gallipoli-Cognato eine Stechpalme ausgesucht. Interessanterweise ist das in allen Orten, wo der im Zentrum stehende Baum (natürlich je nach lokalem Dialekt abgewandelt) Maggio heisst, der Fall, an anderen Orten ist eine Tanne oder Kiefer die Auserwählte, die zum Bräutigam gebracht wird.[2] Die Auswahl erfordert ein gutes Auge, der Baum muss «passen».

Der nächste Termin ist Auffahrt. An diesem Donnerstag trifft man sich wieder im Wald von Montepiano und die Männer wissen genau, nach welchen Regeln der Baum nun gefällt werden muss. Hier sieht man zum ersten Mal ein Zeugnis für die uralte und nahezu atavistische Verbindung von Mensch und Baum, nämlich in der Art und Weise, wie das Fällen vonstatten geht. Es ist viel Respekt im Spiel und man hat den Eindruck, einer Opferzeremonie beizuwohnen. Die Techniken sind wohlbehütet und seit alters überliefert. Die Wurzeln werden mit der Axt präzise freigelegt und gezielte Schläge führen zum Sturz des bis zu 30 Meter hohen und entsprechend schweren Baumes. Der Baumstamm wird sogleich von der Rinde befreit und geglättet, während sich die Menge um den Bräutigam schart und ihn berühren will.

Nun folgt um und an Pfingsten ein für Touristen, Besucher, Heimkehrer und Naturfreunde eindrücklicher Part: Bereits am Samstag macht sich der Tross von Bauern und Holzfällern um den Bräutigam Richtung Accettura auf, begleitet von seinen Spalieren. Nicht etwa mit Motoren, sondern mit Muskelkraft und unter Zuhilfenahme eines Zuges von 50 Ochsenpaaren! Es ist diese einheimische Rasse von Kühen, hier noch mit langen Hörnern, die man in der Basilicata antrifft: Mucche podoliche (nebenbei für Käseliebhaber: ausgezeichneter Caciocavallo und Provolone). Sie werden von den Familien der Maggioli, also den Leuten, die sich um den Stamm kümmern, gezüchtet und zur Verfügung gestellt.

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Ein Ausschnitt des Trosses mit den paarig unter Jochen angeordneten Ochsen (mucche podoliche), der den Maggio nach Accettura transportiert. Quelle: http://www.famedisud.it/fare-festa-suggestioni-antropologiche-sullalbero-rituale-del-maggio-di-accettura/

 

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Accettura (Quelle: http://www.patrimonioculturalebasilicata.it/it/lista/item/1-il-maggio-di-accettura.html)

In der Nacht auf den Pfingstsonntag übernachtet der Stamm gut fünf Kilometer vor dem Dorf und harrt der ersten Begegnung mit seiner künftigen Braut. Am Sonntag geht es weiter. Es braucht Geduld: Das Ganze ist ein Festakt der Langsamkeit – nicht nur wegen der Mühen, sondern weil man nicht zu früh auf die Braut treffen soll. Man hört auf beiden Marschetappen den Lauten der Tiere zu, nimmt sich Zeit, hält immer wieder inne, geniesst Speis und Trank. Traditionelle Gesänge und Musikinstrumente wie etwa der Dudelsack (Zampogna) und Akkordeon umrunden das arkadische Idyllenspiel. Ein längerer Halt ergibt sich am Sonntag mit einer Messe und anschliessendem Essen im Wald – natürlich mit dem Feinsten, was die lokale Küche zu bieten hat. Identität geht durch den Magen.

Gleichentags macht sich eine grosse Horde von Leuten, die den Festtag kaum erwarten konnte, auf den Weg in den Wald von Gallipoli-Cognata, um die Baumkrone abzuholen. Auch hier begleiten Messe, Musik und Köstlichkeiten die Prozeduren und den Menschenzug. Gezielte Axtschläge nach einer kurzen Andacht bringen den Baum zum Stürzen. Anders als beim Bräutigam wird die frisch gefällte Braut nun geschultert und Richtung Dorf getragen. Wir sprechen hier von einem gut 20 Meter langen Stück und entsprechendem Gewicht, das während etwa 12 Stunden über gut 15 Kilometer transportiert werden muss! Der Wein fliesst und stärkt die Tragenden, die dem Rhythmus von Tänzen der Begleitenden ab und wann etwas mehr Leichtigkeit spüren.

Abends treffen sich die beiden festlichen Umzüge erschöpft und glücklich von zwei Seiten eintreffend auf dem Hauptplatz im Dorf. Es ist die eigentliche Verlobung, denn die beiden Brautleute sehen sich nun zum ersten Mal.

Pfingstmontag ist ein Tag der Ruhe, aber auch der Vorbereitungen für die eigentliche Hochzeit. So müssen die Konstruktionen für die Aufrichtung des vereinten Baumes erstellt werden. Männerarbeit. Eine kleine Prozession mit Bildnissen von Paulus und Johannes erfolgt. Es sind die Heiligen, die Regen bringen, und sie werden an diesem Anlass berücksichtigt, um sie für die folgenden Monate gütig zu stimmen. Abends eine weitere Prozession: San Giulianicchio, eine Statue, die den Neffen des Dorfpatrons – San Giuliano – darstellen soll. Das Eindrückliche daran ist der Zug von jungen Frauen, die Kerzenpyramiden («cente») auf den Köpfen tragen. Der Umzug hält immer wieder an und unterbricht mit Kreistänzen zu Ziehharmonika-Klängen.

Der Dienstag nach Pfingsten stellt dann den Höhepunkt dar und ist, wie alle diese Heiligenfeste von hoher Identitätsbedeutung für ein Dorf, mit vielen Terminen gespickt, darunter am wichtigsten: Die beiden Bäume werden unter den Augen der Leute mit entsprechender Erfahrung vereinigt und über Zug- und Stützvorrichtungen aufgestellt. Die Vollendung der Aufrichtung des Maggio aber ist auf den Moment abzustimmen, wo San Giugliano den Platz betritt. Kurz vor Mittag ist nämlich eine Prozession losgezogen, bei welcher der Heilige sein Dorf besucht, wiederum begleitet von den jungen Frauen, die auf ihren Köpfen die geweihten Kerzenkonstruktionen tragen. Die Eheschliessung der beiden Bäume erfolgt unter den Klängen von Hochzeits- und Liebesliedern und der ganze Anlass mündet in der Atmosphäre eines grossen Volksfestes mit einem weiteren archaisch wirkenden Element: Waghalsige Männer erklimmen den hohen Baum. Man erahnt die Satyrn, welche Baumstämme reiten. Sie packen im Geäst vorgängig eingefügte Rosen und werfen sie in die Menge. Früher wurden, was andernorts noch praktiziert wird, mit Gewehren auf Plaketten in der Krone um Prämien geschossen.[3]

Aufrichtung Accettura
Aufrichte-Arbeiten in luftiger Höhe in Accettura (Quelle: http://www.isassidimatera.com/basilicata/folklore/)

 

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Ein Mann erklimmt den Maggio – Quelle mit einem Interview: http://www.ilmaggiodiaccettura.it/-Pag-164p-Intervista_allo_scalatore_ilmaggiodiaccettura

 

Geheiratet wird auch andernorts

Die Beschreibung des Maggio von Accettura ist etwas ausführlicher geworden, und längst ist über diese Sagra nicht alles gesagt. Es ist der einzige Ort in der Provinz Matera, der diesen Brauch aufweist oder erhalten hat. Alle anderen Ortschaften befinden sich in der Provinz Potenza, wo einige noch die authentischsten Details in den meist ebenfalls mehrtägigen Events bewahrt haben: Castelmezzano und Pietrapertosa in den Lukanischen Dolomiten, Castelsaraceno, Oliveto Lucano, Rotonda, Viggianello und Terranova del Pollino.[4]

An den Orten haben sich unterschiedliche «Liturgien» und Traditionen eingespielt. Die Hauptelemente, dass Braut und Bräutigam ausgesucht, verheiratet und als Ganzes aufgerichtet werden, sind bis auf eine Ausnahme überall gleich und können auf wenige bis mehrere Tage verteilt stattfinden. Accettura ist diesbezüglich wohl eine Maximalvariante. Im Detail finden sich verschiedene bemerkenswerte Unterschiede, die sich lokal ausgebildet haben und damit Teil der jeweiligen Ortsidentität darstellen. Die meisten dieser Feste finden noch immer im Frühling statt, einige wenige werden an anderen Daten im Spätsommer und Herbst durchgeführt und wurden ganz offensichtlich nach der Christianisierung verschoben. Wesentlich ist in diesem Zusammenhang, dass keines dieser Feste ohne strenge Aufsicht eines Heiligen stattfindet, wobei offenbar nur wenige dafür in Frage gekommen sind.

Die Hochzeit der Bäume ist eine Zeremonie, welche die (weiblichen) Kräfte der Natur versöhnen, aber vor allem verheissungsvoll günstig stimmen soll, denn es geht um Fruchtbarkeit, Wohnstand. Es ist eine Feier des Lebens, wie andere Akte im Frühling, aber auch ein Symbol der engen Beziehung eines Volkes mit seiner Erde, die Offenbarung einer besonderen Spiritualität und einer Kultur, die aus der Integration von antiken Elementen erwachsen ist, damit von höchster Bedeutung für das Gefühl von Identität und Zugehörigkeit.

Wurzeln der Baumverehrung

Auch dass es sich dabei um Bäume im Spiel sind, ist intuitiv nachvollziehbar: Seit Urzeiten haben Bäume, Baumgruppen, Wälder und Haine eine besondere Anziehungskraft auf Menschen und wurden auf verschiedene Weise genutzt, aber auch verehrt, geheiligt und haben einen besonderen Platz im rituellen oder religiösen Leben und bisweilen totemische Bedeutungskraft. Die Beziehung von Mensch und Baum ist innig und eine gewisse Ähnlichkeit bei genauerer Betrachtung augenfällig. Wer weiss was man davon einst ahnte: Weit bevor man benennen konnte, warum wir dank Bäumen atmen, warum das Blut von Menschen (Hämoglobin) und Pflanzen (Chlorophyll) so ähnlich sind. Früchte zumindest nahm man dankbar entgegen und sah, dass Bäume auch weiteres Leben als Habitat ermöglichen. – So oder so: Auch in unseren Breitengraden – ob Maibaum oder Christbaum – und in Europa sind bis auf Spuren in Bräuchen und Sagen die ursprünglichen Bedeutungen von uralten Formen der Baumverehrung verschwunden.

Natur kommt von nasci: Das, was nicht vom Menschen geschaffen, sondern geboren wird. Natur ist mehr als eine ästhetische Grösse, jener gepflegte und dem Schrecken entzogene Park, in den es den gestressten Städter ausserhalb des urbanisierten Habitats zum Wandern zieht. Immer wieder vergessen wir, dass der Mensch ein Teil der Natur ist. Unser Umgang mit ihr aber ist ein Spiegel unserer Kultur und des eigenen Verständnisses. So wie wir sie behandeln, behandeln wir uns. Der moderne Mensch hat die Natur domestiziert, denn es liegt in seiner Natur, sie beherrschen zu wollen. Damit man etwas lieben, ja schützen kann, muss man es aber kennen. «Ich habe dich bei deinem Namen gerufen.» – Und hier ist Trauriges im Gange.

Wir erahnen in solchen Baumriten das Bewusstsein vergangener Völker und Kulturen über die intensive Verbindung und das Leben mit der Natur; das Grundthema lautet: Fortbestand, Gedeihen und damit Fruchtbarkeit.

So, wie sich die Fruchtbarkeit der Natur auf den Menschen übertragen lässt, so übertrugen Menschen ihre Fruchtbarkeitsriten auf die Natur, um sich gute Ernten zu erbitten und das Leben mit Dank zu feiern. Da ist sie wieder, jene viszerale Beziehung zwischen Menschen und ihrer Erde, wovon man in der Basilicata noch etwas erahnen kann. Nichts ist selbstverständlich und die Natur nicht primär schön, sondern Acker, auf dem Dankbarkeit erwächst.

Diese Baumriten repräsentieren ein bemerkenswertes kulturelles Erbe, das es zu schätzen und erhalten, vor der touristischen Spektakelschau aber zu schützen gilt. Dabei fällt mir auf, dass das Erbe männlich ist: patri-monio, während die Hochzeit und die Ehe weiblich, ja mütterlich ist: matri-monio. Wo es um Fruchtbarkeit geht, ist die Mutter nicht weit. Dass diese Baumriten mit dem Mai in engem Zusammenhang stehen, ist kein Zufall.

Marias Wonnemonat

Zurück zum Anfang. Es ist Frühling: Das Leben wird gefeiert. Es wird geliebt und geheiratet. Das Leben soll ja weitergehen. Unter den Menschen wie auch auf dem Feld. Die Wonne kommt vom Weiden, nicht vom schönen Gefühl. Und damit der Fortbestand der Arten gewährleistet ist, drehen sich in dieser Jahreszeit seit Urzeiten viele Feste und Riten um Fruchtbarkeit, Wachstum und das Leben. Im Dunkel der Geschichte, mit dem Fortschreiten der Zeit haben sich viele Dinge überlagert, so dass nicht mehr im Einzelnen klar sein kann, was woher kommt und im Einzelnen bedeutet, welche Völker was von wem abgeschaut haben. Was die Kirche nicht als «heidnisch» ausmerzen konnte, wurde umgedeutet und in den christlichen Ritus integriert. – Das fängt schon beim Monat an, welcher mit der Walpurgisnacht beginnt und als Zeit und Wachstumsperiode die Hochzeit dieser alten Verehrung und Feste war: Der Mai wurde Maria gewidmet, um das Weibliche und dessen Verehrung, das hinter all dem steht, nicht ganz zu verbannen.

Der Zusammenhang zwischen den verschiedenen Erdmüttern und guten Göttinnen (Bona Dea), die sich in römischen Zeiten von den verschiedenen Völkern stammend zusammengefunden haben, ist nicht mehr klar, der Name des Monats Mai soll sich seit römischen Zeiten aber auf eine Fruchtbarkeitsgöttin mit Namen Maia beziehen. Die Maibäume, die als letzte, allerdings sehr gezähmte Baumriten im Norden überlebt haben, heissen trotzdem nicht Marienbäume. Dass der aufgerichtete Baum an den meisten Orten in Lukanien, wo das noch geschieht Maggio heisst, ist ebenso kein Zufall und erinnert viel stärker an das, was damit einst weit verbreitet, wohl auch unter Kelten und Germanen (die ihrerseits im Süden unterwegs waren) in unseren dichten Wäldern einst an Mütterlichem verehrten. Die alte Wortwurzel *mag- gehört zum Bedeutungskreis von Wachstum und Vermehren.

Lebensbäume

Vielleicht pflanzt man auch hierzulande anlässlich einer Hochzeit einen Baum. Es soll auch zu den Aufgaben gehören, die ein Mann (und sicher auch eine Frau) im Leben einmal getan haben sollte. Als unser abgebranntes Elternhaus schliesslich abgebrochen worden war, bedauerten wir nicht nur die materiellen Verluste, sondern auch die Bäume, zum Teil eigens aus Italien mitgebracht. Bewegt waren wir, als der riesige Bagger grazil dann doch noch einen Magnolienbaum entwurzelt und sanft ein paar Meter verschoben in eine Erdgrube verpflanzt hat.

Zur Symbolik taugt das langjährige Gewächs, besonders der immergrüne Baum, bis heute noch, ob als Lebens- oder Liebesbaum, als Gruss- und Friedensbotschafter, als Souvenir und was man sich sonst noch denken kann. Das Ganze scheint heutzutage doch recht rational und domestiziert. Der Christbaum hatte nie etwas mit Weihnachten zu tun und kann sich heute erst recht vom Christenfest wieder lösen. Wenn Menschen Bäume umarmen, erzeugt das bei vielen eher ein müdes Lächeln. Nutzen, Ästhetik, Standort und andere Kriterien entscheiden heute über ihr Überleben, manchmal noch das Gewissen gegenüber der Natur, die wir als Umwelt bezeichnen. Damit hat es sich schon. Der Baum ist bestenfalls stellvertretendes Symbol für die generelle Haltung der Natur gegenüber. – Heilige Bäume gibt es keine mehr und schon gar kein Bewusstsein dafür, dass wir mit dem Baum ein Totem als Gegenüber haben.

Im Verlust entsteht das Wertvolle und im Kontrast mit dem (vermeintlich) Fremden begegnet man sich selbst: Wer diesen Baumhochzeiten beiwohnt oder von ihnen hört, begegnet nur vordergründig einer fremden Welt, denn fremd ist sie, weil wir uns der Natur entfremdet haben. So wird man sich bald einmal fragen, wie natürlich eigentlich unsere Natur noch ist und was die Entfremdung von der Natur seit den letzten wenigen hundert Jahren mit und aus Menschen eigentlich gemacht hat. Darüber gibt es viele philosophische Diskussionen; dazu kann ich nicht viel beitragen, aber empfehlen, sich der Wildheit der gewachsenen, und eben nicht domestizierten lukanischen Natur in Stille zu öffnen, und vielleicht einmal als Gast, nicht als Tourist auf der Suche nach Folklore, auch auf solche Zeremonien von Bauern, Hirten und Holzfällern einzulassen. Wie kann man schützen, ja lieben, was man nicht mehr kennt?

Bäume wachsen buchstäblich in den Himmel und sind seit je her Symbole für das Leben, die Liebe die Zeit und die Welt an sich. Ihre Gliederung entspricht dem jeweiligen Glaubenssystem, das von einer Ober- und Unterwelt spricht. Die Achse des Stammes verbindet diese. Bäume werden alt und trotzen Angriffen, sie können mächtig werden und die Menschen überdauern. Was für ein mit der Natur verbundenes Volk aber ganz entscheidend ist: Der Fruchtzyklus entspricht dem Lauf von Werden, Wachsen und Vergehen.

Heilige K(r)ämpfe und la fatica

Die Christen haben den Baum gefällt – das Kreuz aus totem Holz wird plötzlich zum Lebensbaum und durchbrach die Zyklen. Nicht die Kreisläufe der Natur verweisen auf eine Gottheit, sondern die lineare Geschichte der Welt, die auf ein Ziel ausgerichtet ist. Aber Christus sollte ja erst später in die Basilicata kommen. Hier trägt man das Kreuz der ewigen Zyklen unter der segnenden Sonne, wo nur die Herren wechseln, die andere Ziele verfolgten und eine Welt regierten, die nicht die ihre war. La fatica – die Mühen – drückten die Menschen in den Boden. Der Lebensbaum wird weiterhin verehrt – erst vor wenigen Jahrhunderten kam es zu einer zweiten Hochzeit: Heilige setzten sich nach und nach als Schutzpatrone der Mächtigen durch und ihr Ritus wurde mit alten Bräuchen (der Bemächtigten) vermählt. So war allen recht getan.

Die Basilicata ist bei genauerer Betrachtung voll von solchen Episoden, die sich erst in den letzten Jahrhunderten der frühen Neuzeit abgespielt haben. Ich will in keiner Weise die Spiritualität und den Glauben Einzelner in Zweifel ziehen oder kritisieren. Merkwürdig aber ist es schon, wie inszeniert die Geschichten doch wirken, wie sich Heilige durchzusetzen versuchten – und es dennoch nicht vollständig schafften, in vielen Festen manifestieren sich bis heute alte Bräuche.

Nehmen wir die Erscheinungen – allen voran der Maria – an verschiedenen Orten (meist ist auch hier ein alter Baum im Spiel), wo man dann beim Zurückkehren an den Ort Bildnisse findet. Die Bruna von Matera ist so ein Beispiel. Bauern, Hirten finden versteckt in Höhlen oder anderswo Statuen von Heiligen und lokalen Schutzpatronen. San Giugliano brauchte etwas Durchsetzungsvermögen in Accettura, um sich gegen den Baumritus zu behaupten – die Verheiratung der beiden Kulte geschah erst im 18. Jahrhundert und die Verehrung des Heiligen stieg schlagartig an, als man Ende des Jahrhunderts ein Zertifikat aus Rom erhielt, dass die aufbewahrte Reliquie echt ist (vgl. die Geschichte dazu).

PS: Auch San Michele …

Heilige und der Kult in Form von Prozessionen und Festen, das gehört heute zur Identität der Gemeinschaften und der Ausgewanderten und bildet einen ganz eigenen Jahreskreis. Erstaunlich ist, wie das Beispiel San Giugliano zeigt, dass diese Kulte der Gesamtbevölkerung sich vielerorts in der nunmehr als «antik» bezeichneten Form erst spät so richtig behaupten konnten. Das erinnert mich an unser Patronatsfest im Mai, wenn Pomarico schlagartig das Dreifache an Einwohner/innen zu beherbergen hat und die Strassen mit den für den Süden so typischen Lichtbögen, Musik und viel Devotion belebt wird: Der Heilige Michael macht seine Aufwartung. Obwohl es sich um den Erzengel handelt, hatte es auch er nicht leicht, sich durchzusetzen. Es brauchte seit den Normannen, die ihn vermutlich mitgebracht haben, mehrere Anläufe, bis er nur schon einen physischen Platz gefunden hat: Pomarico hatte in seiner Geschichte mindestens drei Hauptkirchen und da fand sogar ein Wechsel des Patronates Mitte des 15. Jahrhunderts statt, doch gelang die Verdrängung der bisher verehrten Margherita von Antiochia nicht von heute auf morgen. Und das, obwohl man ihm bis heute mit einer Wachsspende (eine grosse Kerze) dankt, dass er im 16. Jahrhundert das Dorf vor der Pest verschont hatte. Die (herrschaftsgeschichtlichen?) Hintergründe sind mir nicht klar. San Michele musste sich mit einem Dasein in der Sakristei begnügen, lugte nur an seinem Verehrungsfest (8. Mai) auf dem Seitenaltar, der damals noch der albanischen Bevölkerung gehörte, hervor. Dieser wurde anfangs des 17. Jahrhunderts abgebrochen und erst dann für den Erzengel ein Hauptaltar errichtet.[5] Dass jetzt Prozessionen einsetzen und auch von ersten Wundern berichtet wird, verwundert nicht: Es regnete dank ihm.

Richtig durchsetzen konnte sich der Erzengel dann Mitte des 18. Jahrhunderts, kein Wunder, es brauchte ein eindrückliches und für alle sichtbares Wunder: Es herrschte Hungersnot in Pomarico. 1753 erscheint ein Mann mit acht Karren voller Weizen vor dem Dorf und fragt nach einem gewissen Michele von Pomarico. Dieser habe bei ihm das Korn bestellt, um seinem Dorf zu helfen. Als Pfand habe er ihm einen wertvollen Ring gegeben. Welcher Michele aber war gemeint? Heute drehen sich viele Männer im Dorf um, wenn man den Namen ruft, damals waren es vielleicht noch etwas weniger. Trotzdem, man wurde nicht fündig. Weitere Abklärungen ergaben dann Erstaunliches: Jemand bemerkte (plötzlich) dass der Ring der Statuette, die sich in der damaligen Kirche befunden hatte, gehörte. Wem das in den Sinn gekommen ist, darüber schweigen sich die Quellen aus. Und wenn ich es richtig verstanden habe, stand die Statue damals diskret in der Sakristei. Menschen brauchen Mythen. Der Jubel jedenfalls musste gross gewesen sein. Die Menschen stürmten die Wagen und kämpften um die Ähren («la lotta»), was heute noch zum Narrativ gehört.

Seither findet um den 8. Mai ein ebenso an Programmpunkten intensives dreitägiges Fest zu seinen Ehren statt. Der 8. Mai ist übrigens der Tag der Erscheinung des Heiligen auf dem Gargano (Monte Sant’Angelo), wo er zur Zeit der Normannen wohl ebenso einen alten Ritus mit seinem Schwert zerschlagen und mit seinem Fuss zu erdrücken suchte.

Betrachtet man solches, wächst in einem immer wieder der Verdacht, dass im Süden erst die Gegenreformation das Christentum endgültig unter die ländliche Bevölkerung gebracht hatte, ersetzte und überschrieb, was man bei den Bauern und Hirten nicht ausmerzen konnte. Ob das bei uns mit der Reformation so viel anders war?

Faszinierendes Lukanien

Also: Alles nur Folklore? Mitnichten. Was fasziniert, verzaubert uns, zieht uns in den Bann. Immer wieder stelle ich fest, wie in der Basilicata an ganz unterschiedlichen Orten Ursprünglichkeitserfahrungen möglich werden: Auf Entdeckungsreisen ausserhalb dessen, was uns täglich fordert und von uns selbst zu entfremden droht, kann einen das Gefühl der Erhabenheit erfassen, was uns als Teil von etwas Ganzem und über uns Hinausweisenden ahnen lässt. Ich wollte eigentlich von Hochzeiten erzählen und bin bei uralten, faszinierenden Riten gelandet, die von so viel mehr erzählen und trotz heiliger Überzeugungsarbeit immer noch zu uns sprechen können. Eine Kultur des Aufpfropfens hält gewissermassen den aufpfropfenden Kulturen stand. Die heutige Religion ist ganz anderer Natur, es geht um Geld – wie wird sich die lukanische Identität und ihre archaischen Züge den Verlockungen des Tourismus stellen und ihre Identität nicht allein ins folkloristische Schaufenster stellen?

Es ist unglaublich, wie vielen Aspekten man bei einem solchen Anlass begegnet, wenn man sich darauf einlässt. Wieder ist ein Kapitel zu lange geworden, die Gedanken gedeihen bei der Betrachtung dessen, was sich im Naturpark von Gallipolli Cognato (Gebiet des Maggio) und im Raum des Nationalparkes auf dem Pollino (sozusagen das Fichten-Areal) abspielt.

Versuch einer Übersicht über die noch existierenden Baumriten in der Basilicata

  1. a) Gebiet des Maggio
Fest und Ort Bezeichnung Datum Mann Frau Heilige/r
Accettura (MT) Il Maggio Die beiden Sonntage nach Ostern, Auffahrt, Pfingsttage und Dienstag Zerreiche Stechpalme San Giuliano
Castelmezzano (PZ) Il Maggio oder

U´ Masc

Erster Sonntag im September, «Hochzeit» ist am 13.; die Fällungen finden im Raum 10.-12. Statt. Zerreiche Stechpalme San Antonio di Padova
Oliveto Lucano Il Maggio Olivetese 10., 11., 12. August Zerreiche Stechpalme San Cipriano
Pietrapertosa (PZ) Il Maggio oder Il Majo Tage um das Antoniusfest (13. Juni) Zerreiche Stechpalme San Antonio di Padova

 

  1. b) Gebiet der Fichte als Krone
Fest und Ort Bezeichnung Datum Mann Frau Heilige/r
Castelsaraceno (PZ) La Festa della ´Ndenna (Antenne) Erste drei Sonntage im Juni Buche Kiefer San Antonio di Padova
Rotonda (PZ) Sagra dell’Abete oder La ´Pitu e La Rocca 8. bis 13. Juni Buche Kiefer San Antonio di Padova
Viggianello (PZ) Sagra dell’Abete oder La Pitu e la Rocca

 

Dazu kommen : La Danza del Falcetto und il Ballo dei Cirii

Zweimal: 1. In der Woche nach Ostern; 2. In der letzten Augustwoche; es gibt Quellen, die von einer dritten Durchführung im September berichten. Buche oder Zerreiche Kiefer San Francesco di Paola

 

  1. c) Keine eigentliche Hochzeit, aber das Aufrichten eines Baumes ist geblieben:
Terranova del Pollino (PZ) A Pit´ 13. Juni Kiefer San Antonio di Padova

 

MT = Matera / PZ = Potenza
Aufrichtung-Pietrapertosa
Aufrichtung in Pietrapertosa (Quelle: http://www.andreasemplici.it/wp/index.php/2012/06/22/3-pietrapertosail-giorno-delle-nozze/)

 

Impressionen – «Maggio di Accettura»

Ausgabe 2018, Aufnahmen, wie auch das Titelbild von Bruno Liccese, Pomarico:


Hinweis – 14.1.2019: Der vorliegende Text wurde im Rahmen des Blogprojekts «Terra di Matera: Basilicata – Reisen, Gedanken und Erinnerungen» geschrieben und gilt nunmehr als nicht mehr weiter bearbeiteter oder korrigierter Entwurf für das Buch «Matera, die Basilicata und ich: Ein persönlicher und literarischer Reisebegleiter auf der Suche nach dem mystischen Herzen Süditaliens».
Alle mit diesem Hinweis gekennzeichneten Kapitel wurden für das Buch inhaltlich überarbeitet, mit Ergänzungen versehen und sprachlich korrigiert und erscheinen damit gedruckt in lektorierter Form. Freuen Sie sich auf mehr Lesevergnügen!

 

[1] Zum Beispiel: https://www.tagesanzeiger.ch/panorama/vermischtes/Verheiratet-mit-einem-Baum/story/28713158 – Link geprüft am 15.4.2018.

[2] Da es mir bisher nicht möglich war, alle Orte zu besuchen, muss ich mich auf das verlassen, was ich über kurze Internet-Recherchen erfahren konnte. Und hier bestehen leider terminologische Unterschiede und gar Widersprüchlichkeiten in den Schilderungen der einzelnen Feste: Meist ist von einer abete die Rede, was übersetzt sowohl eine Tanne (welcher Art?) als auch eine Fichte bezeichnen kann. Gleichzeitig ist ab und wann auch von pino die Rede, was auf Deutsch wiederum verschiedene Kiefer, Arve, Föhre etc., aber auch Pinie bedeuten kann. Ob Tanne, Fichte oder Kiefer, sie alle gehören in die botanische Familie der Kiefergewächse, so dass ich im Folgenden in der Beschreibung aller Feste vereinfacht von Kiefern spreche. Man möge mir die Ungenauigkeit nachsehen.

[3] Das ganze Fest und die Hintergründe ausführlich auf der Webseite, der ich in meiner zusammenfassenden Darstellung im Wesentlichen folgen: http://www.ilmaggiodiaccettura.it/ – Der Maggio und einige anthropologische Überlegungen: http://www.famedisud.it/fare-festa-suggestioni-antropologiche-sullalbero-rituale-del-maggio-di-accettura/ – Links geprüft am 22.4.2018.

[4] Die grösste Verbreitung und die vermutlich älteste Beibehaltung der Abläufe finden wir in der Basilicata vor. Das Phänomen ist im Süden aber auch an anderen Orten zu finden: In Kalabrien zu erwähnen Laino Borgo, Laino Castello und Alessandria del Carretto. Ähnliche Riten sind auch in Latium und Umbrien bekannt; der Wachskerzenlauf von Gubbio könnte auf einen alten Baumritus zurückzuführen sein.

[5] Herrschaften legitimieren sich auf verschiedene Weise. Klöster und Adel beziehen sich auf Heilige und bringen ihn zusammen mit ihrem Herrschaftsanspruch gewissermassen mit. Was es mit den für einen so kleinen Ort zahlreichen, nacheinander gegründeten und aufgegebenen Kirchen sowie den beiden Heiligen auf sich hat, müsste man am konkreten Ort genauer untersuchen. Klar ist: San Michele war in Pomarico schon lange präsent, da der Ort zur Herrschaft der in Montescaglioso benachbarten Abtei gehörte.

4 Gedanken zu “Mystische Begegnungen und Erfahrungen: Die Hochzeit der Bäume

  1. Hello Peter, schön, von dir zu lesen – und hoffentlich gut wieder heim angekommen, mit einem Riesenkoffer voller Erinnerungen! – Ich frage, notiere, spreche viel mit Leuten, meine Freundin inspiriert mich sehr und macht mich auch immer wieder auf Dinge aufmerksam. Und wenns mich dann packt, dann recherchiere ich vor allem im Internet, da ich für tiefgründige Recherchen in Literatur und Forschung aus beruflichen Gründen keine Zeit habe und Reiseführer auch eher ausklammere. Aber das ist auch gut so: Dieser Blog, dieses Buch, falls mal, hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit (auch wenn die Texte jeweils lang werden…), muss nicht mal immer alles stimmen. Denn meine Philosophie ist: Ich will erzählen und berichte von meinen Gedanken, die sich da bei mir bilden. Wen es neugierig macht, der macht sich dann selber auf die Reise und in die Recherche. Hoffe, da Konzept ist so stimmig :-). Ich bin ja nur Hobby-Philosoph sozusagen und das Meiste an Texten und Ideen auf „Papier“ entsteht dann erst in der Distanz.

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