Pomarico celebra Vivaldi

Sagt Ihnen der Name Calicchio etwas? Vermutlich nicht oder nicht auf den ersten Blick. Beim Namen Antonio Lucio Vivaldi «klingt» doch schon eher etwas an und die «Vier Jahreszeiten» kommen einem etwa in den Sinn. Im Buch habe ich davon erzählt, dass der venezianische Komponist Wurzeln in Pomarico hat.[1] Ein 2011 leider zu früh verstorbener … Weiterlesen Pomarico celebra Vivaldi

Das weisse Schaf

Ein Schnappschuss der besonderen Art: Was macht dieses weisse Lamm inmitten schwarzer Ziegen? Ich stand auf einer kleinen Erhebung und beobachtete, wie Antonio, der Gehilfe des Hofes, eine Herde von circa 200 schwarzen lukanischen Ziegen in einer langen Kolonne Richtung Gehege trieb. Faszinierend der Anblick des Spektakels, die Rufe des Hirten, das Bellen der Hunde, … Weiterlesen Das weisse Schaf

Nonnas Pantoffeln – Tod auf Lukanisch

«Ich friere. Ihr habt vergessen, mir meine Lieblingsjacke in den Sarg zu legen.» … «Aber keine Sorge: Morgen wird Giovanni sterben; gebt ihm die Jacke mit.» – Schweissgebadet, schwer atmend schreckt Margherita auf. Was für ein Traum. Annunziata ist gestern beerdigt worden. Eingemauert in einer Wand voller Grabnischen. Margheritas Mann dreht sich im Bett. «Was … Weiterlesen Nonnas Pantoffeln – Tod auf Lukanisch

Nostrano, Aglianico und andere Weine – Essenzen der eigenen Erde

Francesco kann die PET-Flasche kaum halten. Mit zitternden Händen hält er sie über das Glas und der blutschwarze Saft ergiesst sich aus der wiederverwendeten Mineralwasserflasche stossweise in das Glas. Früher wurde mir bange; wer um Himmels Willen soll das alles trinken? Der Wein ist stark, soviel vorweg. Ich schaute hoffnungsvoll auf die Taralli – wunderbare … Weiterlesen Nostrano, Aglianico und andere Weine – Essenzen der eigenen Erde

Maiatica und Co. – Oliven und das flüssige Gold

«Kennst Du das Cultivar oder die Cultivare, die in diesem Öl stecken?» – Ich muss mich unvermittelt etwas räuspern; nicht etwa, weil das Olivenöl, das ich gerade verköstige, im Hals sanft kratzt, vielmehr aus Verlegenheit. «Ich meine die Sorten, die verwendet wurden», sagt Gabriele schmunzelnd und verzieht seinen Mund, während er die goldene Substanz zwischen … Weiterlesen Maiatica und Co. – Oliven und das flüssige Gold

In Ohren, Mark und Bein: Musik, Tanz und Instrumente in der Basilicata

Was das Christuskind wohl zur Musik sagt? Ich betrachte die Figur eines Dudelsackspielers auf der grossen Krippenlandschaft. Ich habe vor der grossen Anlage in einem Seitenraum der grossen Kirche von Picciano Halt gemacht und festgestellt, dass die Figuren – zwar um einiges grösser – unseren Exemplaren gleichen, die im Hausbrand nach jahrelangem Sammeln ihr Ende … Weiterlesen In Ohren, Mark und Bein: Musik, Tanz und Instrumente in der Basilicata

«Basta che si sta bene» – Hymnen an die Basilicata und Oden an den Reichtum der Genügsamkeit

«Basta che si sta bene.» – «Hauptsache, es geht einem gut.» Die zierliche, kaum 1,50 Meter grosse Frau in schwarzem Gewand (die übliche Tracht der Witwen, die bis vor kurzem praktisch alle Frauen trugen), streicht sich über das von Falten zerfurchte Gesicht und schaut in die Ferne. Sie sagt es immer wieder, als ob sie … Weiterlesen «Basta che si sta bene» – Hymnen an die Basilicata und Oden an den Reichtum der Genügsamkeit

Mystische Begegnungen und Erfahrungen: Die Hochzeit der Bäume

Kürzlich habe ich gelesen, dass seit 2013 in verschiedenen südamerikanischen Ländern Hochzeiten zwischen Menschen und Bäumen gefeiert werden; die Aktion wurde von einem Schauspieler angeregt, der selbst bereits in Polygamie mit mehreren Bäumen lebt, und hat einen ernsten Hintergrund: Mit diesen Feiern sollte ein Zeichen gegen die fortschreitende und vor allem illegale Abholzung gesetzt werden.[1] … Weiterlesen Mystische Begegnungen und Erfahrungen: Die Hochzeit der Bäume

Auf den Spuren der «strade ferrate»: Eisenbahn in der Basilicata

Ich treffe Christus am Kiosk an der Piazza Matteoti in Matera. «Siehst Du das rötliche Gebäude geradeaus?» Er nickt. «Das ist der Bahnhof von Matera.» Da mich mein Reisegefährte ungläubig anschaut, zumal keine Gleise sichtbar sind und ich ihm eine Bahnfahrt über die Alta Murgia versprochen habe, hole ich weiter aus: «Für die einen ist … Weiterlesen Auf den Spuren der «strade ferrate»: Eisenbahn in der Basilicata

«Quo vadis?» – Das faltige Gesicht einer alten Landschaft voller Kontraste

Wir fahren mit dem Zug von Potenza her kommend in das Basento-Tal; Grassano, auf den Spuren Carlo Levis, der die Landschaft damals um einiges langsamer als wir auf sich einwirken lassen konnte. Bald sind wir da, nächster Halt Ferrandina. Christus blickt in die Ferne. Unser Blick folgt den vorbeiziehenden Hügelzügen, die das Tal säumen. Ungeordnete … Weiterlesen «Quo vadis?» – Das faltige Gesicht einer alten Landschaft voller Kontraste

Die «Colomba Pomaricana» – Ein österlicher Schlüsselmoment auf dem Tisch

Scarcèdd – eines dieser Wörter, die ich mir lange nie merken konnte. Man verzieht dabei vielleicht etwas den Mund, bis man es sprachlich und in der richtigen Intonation hinkriegt. Und eine ähnliche Mimik meint man im Gesicht eines Nordländers zu erkennen, wenn man dieser Person erzählt, worum es sich bei diesem auf den ersten Blick … Weiterlesen Die «Colomba Pomaricana» – Ein österlicher Schlüsselmoment auf dem Tisch

Grüne Schätze – Auch Kohlköpfe können Gesundes essen

«Er ist ein richtiger Stängelkohl!» – So müsste man das wohl übersetzen; und es verliert dabei sogleich gänzlich an Klang und Wirkung. «È una vera cima di rapa!» – Das Original klingt schon besser, aber es fehlt noch etwas. Richtig: eine Handbewegung. – Italienisch ist bekanntlich eine Sprache mit viel Körpereinsatz und verfügt über einen … Weiterlesen Grüne Schätze – Auch Kohlköpfe können Gesundes essen

Aus Bitterem wächst Süsses – Der Birnbaum in uns

«Halt an, halt an». Ich drücke auf die Bremse – keine Vollbremsung, dafür tuckern wir auf dieser von Bäumen und Gebüschen gesäumten Landstrasse voller Schlaglöcher und ausgewaschenen Unebenheiten ohnehin schon viel zu langsam. Die Bremsung wirbelt trotzdem gehörig Staub auf; es ist trocken und heiss an diesem Julinachmittag. Wir müssen nirgends hin, wir sind nur … Weiterlesen Aus Bitterem wächst Süsses – Der Birnbaum in uns

«Amara terra» – Bittere Wahrheiten

«Amara terra mia, amara e bella» – Domenico Modugnos Stimme klingt aus dem Lautsprecher. Einige Gäste blicken andächtig auf und lassen sich von den Klängen für einen Moment ergreifen. Die italienische Version dessen, was wir als Schlager bezeichnen, ist im Süden vielleicht noch etwas mehr als das: Es ist die vertonte Volksseele und die Klänge … Weiterlesen «Amara terra» – Bittere Wahrheiten

Einblicke: Das unsichtbare Herz Süditaliens

Der Film beginnt monumental: Langsam dreht sich der Globus, und wie die Ansicht mit Afrika und Europa ins Blickfeld kommt, hört man eine Stimme: «Buongiorno, ich bin Gott.» – Hoppla! – War ja klar: Nachdem Christus angeblich nur bis Eboli gekommen ist, musste sich irgendwann ja einmal sein Vater melden, um nach dem Rechten zu … Weiterlesen Einblicke: Das unsichtbare Herz Süditaliens

Feigen – Paradiesische Früchtchen

«Che figo», ruft mir die Tante des Bräutigams mit anerkennendem Blick zu. Jaja, ich habe es gerade noch geschafft, die Falten aus dem Anzug zu bekommen, der im Koffer etwas gelitten hat. Das Kompliment tat der nach kurzer Nacht etwas ungebügelten Seele trotzdem gut. Aber «Figo»? – Was habe ich mit einer Feige (il fico) … Weiterlesen Feigen – Paradiesische Früchtchen

Eine Scheibe Glück: Pane e pomodoro

Wenn auf Italienisch etwas «la fine del mondo» – wörtlich: das Ende der Welt – ist, dann ist es herrlich. Und im Fall des Pane e Pomodoro ist die Welt für einmal eine Scheibe; und niemand braucht da über den Tellerrand zu schauen, denn zu Hause ist das schlichte Gericht am besten! La fine del … Weiterlesen Eine Scheibe Glück: Pane e pomodoro

Mütter, Töne und Tomaten

«Ninuccio!» – Antonio unterbrach sein Violinspiel und wandte sich zu seiner Zuhörerin um. «Ja, Mutter?» – «Komm mal her.» Der Junge legte Instrument und Bogen auf den Tisch und eilte zu ihr. Sie sass in ihrem Lieblingssessel neben dem Kamin, Venedigs Abendsonne schien durch das Fenster und streichelte ihre Wangen. Sie lauschte dem Spiel ihres … Weiterlesen Mütter, Töne und Tomaten

Leonardo und die Bohnen

  Bohnen gehören seit Urzeiten zur ländlichen Tafel. So wollte ich eigentlich etwas über die unzähligen Bohnensorten schreiben und merkte bald: Hülsenfrüchte haben es in sich, und der Boden, der sie hervorbringt, erst recht. Auf dem lukanischen Boden wandelte einst Pythagoras – richtig, der mit dem Dreieck – und der hatte offenbar etwas gegen Bohnen. … Weiterlesen Leonardo und die Bohnen

Von Last- und anderen Tieren

Still, nachdenklich, traurig – vom Leben gezeichnet. Ein kleiner Mann aus Bronze mit typischen Gesichtszügen sitzt auf der Piazza Veneto in Matera. «Worauf wartet er?», fragt Christus – «Soweit ich weiss, soll die Figur das Gedenken der Stadt an die Herkunft aus der ländlichen Gesellschaft in Ehren halten[1]», antworte ich. «Das harte und entbehrungsreiche Leben, … Weiterlesen Von Last- und anderen Tieren