Von Hirten, Herden und Hörnern: Ein Flirt mit dem Käseland Lukanien

Verhält sich jemand wie ein Casanova, gibt es dafür im Italienischen eine merkwürdige Redewendung: Fare il Provolone. Ich nehme an, das hat mit diesem berühmten Käse nicht viel mehr zu tun als dass eine gewisse lautmalerische Nähe zum Verb provarci – eben, es überall «versuchen» – besteht. Aber wir verfolgen das nicht weiter. Christus möchte … Weiterlesen Von Hirten, Herden und Hörnern: Ein Flirt mit dem Käseland Lukanien

Die Frittata – Alles andere als flach

Es sind die einfachen Dingen, die das Leben ausmachen. Und manchmal erscheinen sie so simpel, so verbreitet und kommun, dass ein Aussenstehender nur ungläubig zusehen und zuhören kann, wenn jemand davon schwärmt.[1] Bei genauerem Hinsehen, Hinhören – und Hin-Schmecken – vermag man dann vielleicht verstehen, worin das gewisse Etwas liegt. So zum Beispiel bei der … Weiterlesen Die Frittata – Alles andere als flach

Cardoncello – Der Papst unter den Pilzen

Pilze findet man nicht mit der Wünschelrute, sondern vor allem mit Wissen und Erfahrung. Die Basilicata ist durchaus reich an Pilzen, vom Steinpilz bis zum Trüffel findet man alles Mögliche, was den Teller bereichert. Doch ab Oktober spriesst der berühmteste Pilz der Basilicata und der hat durchaus mit Ruten zu tun: der Cardoncello. Er ist … Weiterlesen Cardoncello – Der Papst unter den Pilzen

Zeugnis ruralen Lebens: «Lucanica», die lukanische Salsiccia

Der Tisch drohte jeweils zusammenzubrechen, nachdem wir all die Pakete, Säcke, Kanister und weitere Waren aus dem Auto in die Wohnung geschleppt hatten. «Das alles habt ihr mitgebracht?» Wo die eigenen Koffer noch Platz gefunden haben, getraute man sich fast nicht zu fragen. Dass meine Grossmutter die ganze Strecke auf ihren Knien irgendwo in dieser … Weiterlesen Zeugnis ruralen Lebens: «Lucanica», die lukanische Salsiccia

Nostrano, Aglianico und andere Weine – Essenzen der eigenen Erde

Francesco kann die PET-Flasche kaum halten. Mit zitternden Händen hält er sie über das Glas und der blutschwarze Saft ergiesst sich aus der wiederverwendeten Mineralwasserflasche stossweise in das Glas. Früher wurde mir bange; wer um Himmels Willen soll das alles trinken? Der Wein ist stark, soviel vorweg. Ich schaute hoffnungsvoll auf die Taralli – wunderbare … Weiterlesen Nostrano, Aglianico und andere Weine – Essenzen der eigenen Erde

Maiatica und Co. – Oliven und das flüssige Gold

«Kennst Du das Cultivar oder die Cultivare, die in diesem Öl stecken?» – Ich muss mich unvermittelt etwas räuspern; nicht etwa, weil das Olivenöl, das ich gerade verköstige, im Hals sanft kratzt, vielmehr aus Verlegenheit. «Ich meine die Sorten, die verwendet wurden», sagt Gabriele schmunzelnd und verzieht seinen Mund, während er die goldene Substanz zwischen … Weiterlesen Maiatica und Co. – Oliven und das flüssige Gold

Die «Colomba Pomaricana» – Ein österlicher Schlüsselmoment auf dem Tisch

Scarcèdd – eines dieser Wörter, die ich mir lange nie merken konnte. Man verzieht dabei vielleicht etwas den Mund, bis man es sprachlich und in der richtigen Intonation hinkriegt. Und eine ähnliche Mimik meint man im Gesicht eines Nordländers zu erkennen, wenn man dieser Person erzählt, worum es sich bei diesem auf den ersten Blick … Weiterlesen Die «Colomba Pomaricana» – Ein österlicher Schlüsselmoment auf dem Tisch

«Cucina povera»: Auf der Suche nach dem Reichtum der Arme-Leute-Küche

«Lieber mit leerem Magen zu Bett gehen als morgens mit Schulden aufwachen.» So lautet eine der vielen sprichwörtlichen Weisheiten der einst sehr armen Gegend, die auch immer wieder den Bereich des Essens berühren. Natürlich spielt das Sprichwort auf das harte Leben auf der lukanischen Erde – ob auf den Hügeln, in den Bergen, auf den … Weiterlesen «Cucina povera»: Auf der Suche nach dem Reichtum der Arme-Leute-Küche

Grüne Schätze – Auch Kohlköpfe können Gesundes essen

«Er ist ein richtiger Stängelkohl!» – So müsste man das wohl übersetzen; und es verliert dabei sogleich gänzlich an Klang und Wirkung. «È una vera cima di rapa!» – Das Original klingt schon besser, aber es fehlt noch etwas. Richtig: eine Handbewegung. – Italienisch ist bekanntlich eine Sprache mit viel Körpereinsatz und verfügt über einen … Weiterlesen Grüne Schätze – Auch Kohlköpfe können Gesundes essen

Feigen – Paradiesische Früchtchen

«Che figo», ruft mir die Tante des Bräutigams mit anerkennendem Blick zu. Jaja, ich habe es gerade noch geschafft, die Falten aus dem Anzug zu bekommen, der im Koffer etwas gelitten hat. Das Kompliment tat der nach kurzer Nacht etwas ungebügelten Seele trotzdem gut. Aber «Figo»? – Was habe ich mit einer Feige (il fico) … Weiterlesen Feigen – Paradiesische Früchtchen

Eine Scheibe Glück: Pane e pomodoro

Wenn auf Italienisch etwas «la fine del mondo» – wörtlich: das Ende der Welt – ist, dann ist es herrlich. Und im Fall des Pane e Pomodoro ist die Welt für einmal eine Scheibe; und niemand braucht da über den Tellerrand zu schauen, denn zu Hause ist das schlichte Gericht am besten! La fine del … Weiterlesen Eine Scheibe Glück: Pane e pomodoro

Ein Topf Dankbarkeit: «La Crapiata»

Eintöpfe gehören vermutlich zu den ursprünglichsten Formen des Kochens. Alles andere als einseitig, aber geduldig, nährend und nicht zuletzt verbindend. 2017 habe ich in Matera einen besonders vielfältigen Eintopf entdeckt, der es im wörtlichen und übertragenen Sinn in sich hat – und bin dabei wieder bei den Bohnen gelandet[1]: La Crapiata. Verschiedene Hülsenfrüchte sind nämlich … Weiterlesen Ein Topf Dankbarkeit: «La Crapiata»

Mütter, Töne und Tomaten

«Ninuccio!» – Antonio unterbrach sein Violinspiel und wandte sich zu seiner Zuhörerin um. «Ja, Mutter?» – «Komm mal her.» Der Junge legte Instrument und Bogen auf den Tisch und eilte zu ihr. Sie sass in ihrem Lieblingssessel neben dem Kamin, Venedigs Abendsonne schien durch das Fenster und streichelte ihre Wangen. Sie lauschte dem Spiel ihres … Weiterlesen Mütter, Töne und Tomaten

Leonardo und die Bohnen

  Bohnen gehören seit Urzeiten zur ländlichen Tafel. So wollte ich eigentlich etwas über die unzähligen Bohnensorten schreiben und merkte bald: Hülsenfrüchte haben es in sich, und der Boden, der sie hervorbringt, erst recht. Auf dem lukanischen Boden wandelte einst Pythagoras – richtig, der mit dem Dreieck – und der hatte offenbar etwas gegen Bohnen. … Weiterlesen Leonardo und die Bohnen

Der «Peperone crusco» – Rotes Gold und knusprige Tradition

Wer in Matera Restaurants und Märkte besucht, sollte auf diese kulinarische Köstlichkeit ganz besonders achten und vor allem sie mindestens einmal in einer ihrer zahlreichen Anwendungen in lukanischen Gerichten kosten: die Peperoni cruschi – «krokante Paprikas». Ein Gemüse, das es in jeder Hinsicht in sich hat: im Geschmack, in seinen gesunden Eigenschaften, aber auch bezogen … Weiterlesen Der «Peperone crusco» – Rotes Gold und knusprige Tradition

Die italienische Küche – Vom Essen und kulturellen Fusionen

Bevor wir uns die einzelnen Spezialitäten der lukanischen Küche ansehen, ein paar Worte zu Geschichte und Wesen der reichhaltigen Esskultur Italiens und was dies für die Basilicata bedeutet: die schmackhafte Seite kultureller Fusionen

Brot ist heilig

Es ging blitzschnell: Mit von Wut und Schreck gezeichnetem Gesicht springt mein Vater von der anderen Tischseite auf, packt das im Brot steckende Messer am Schaft, zieht es mit der Vehemenz und ausladenden Geste eines Arthus heraus und knallt es auf den Tisch. Was er in der Schimpftirade von sich gab, weiss ich nicht mehr. … Weiterlesen Brot ist heilig