Die hier erschienen Artikel des Zeitraums Mai 2017 bis September 2018 sind Grundlage eines Buches. Zeit, für diesen Abschnitt zu danken:

Danke – Grazie

Für all die Eindrücke der letzten Jahre, die zum Inhalt der Texte beigetragen haben, kann ich nicht umfassend danken. Viele Menschen, die mich auf meinen Wegen in der Basilicata, mich auf einer Wegstrecke meines Lebens begleitet haben oder mir begegnet sind, leben nicht mehr. Oder ich weiss schlichtweg ihre Namen nicht mehr. Das mindert nicht meine Gefühle. Dankbarkeit ist eine der grundlegenden Haltungen, denen ich in diesem wundervollen Stück Land begegnet bin.

Mit Namen nennen darf ich meinen Vater, Antonio, der gar nicht weiss, wie sehr er mich inspiriert hat. Ich denke, ich bin nicht nur mir selber im Reisen und Schreiben begegnet; noch viel besser habe ich ihn verstehen gelernt.

Dea Zuccaro, meine Lebensgefährtin, Sängerin und Begleiterin für Touristen, hat mich nicht nur ermutigt, ein schon lange gehegtes Projekt zu verwirklichen; sie war für mich als Lukanerin unerschöpflicher Quell von Wissen, das sie geduldig mit mir teilte. Sie war nicht nur neugierig und parat, gewisse Reisen und Erfahrungen zusammen mit mir zu machen. – Liebe und Neugier sind ein wundervolles Paar. – Besonders fasziniert mich ihr Blick auf die Dinge, der noch tiefer geht als derjenige einer Ethnologin oder einer Anthropologin. Sie hat mich gelehrt, hinter den Vorhang von Folklore und Traditionen zu blicken und nach der Poesie menschlichen Seins in Licht und Schatten zu suchen.

Apropos Zeichnen: Nicht ausser Acht möchte ich zudem ihren Vater, Michele Zuccaro, lassen. Er ist Kunstmaler und Bildhauer, ebenfalls aus Pomarico, und sieht die Dinge tiefgründiger als der Fotograf. Viele Gedanken sind von ihm inspiriert, ein dickes Buch liesse sich allein schreiben, wenn man ihm zuhört. Seine fesselnden Ausführungen, die er zu seinen Gemälden macht, seine Diskurse über die Kunst allgemein oder über die Bilder, die sich einem im Kopf während eines Gesprächs mit ihm ergeben; die vielen Stunden und Abende werden mir unvergesslich sein.

Die Basilicata ist eben auch ein Land, das eine Vielzahl von Künstlern, darunter viele Autoren und Dichter aufweist, von denen man ausserhalb kaum je etwas hören wird. Immer wieder berührt war ich von Musikern, die ohne Studium und Notenkenntnis sich ausdrücken konnten. Denn darum geht es in der Kunst ja. Einer, der sich mit Sprache unentwegt ausdrückt, lebt im «Exil» in Deutschland: Ich danke auch Domenico Friolo aus Rotondella, der mich aus Marburg mit seinen Gedichten näher an Lukanien geführt und mich im Schreiben bis zum Schluss bestärkt hat.

Ähnlich wie ihm bin ich Peter Amann begegnet. Seit es das Internet gibt, müsste man eigentlich noch weniger an Zufälle glauben, da sich Menschen mit ähnlichen Interessenlagen, Voraussetzungen und Ideen leichter begegnen und gegenseitig beflügeln können. Peter lebt in München und ist renommierter Autor von Reisebüchern, leitet Reisen, insbesondere in Süditalien, seinem «zweitgeborenen Land» (frei nach Ingeborg Bachmann). Die Verwendung dieses Ausdrucks sagt schon alles: Bestärkt hat mich sein Blick auf ein zunächst fremdes und dann liebgewordenes Land aus den Augen eines beobachtenden und nachdenklichen Menschen, der selbst auf wanderne Wurzeln in seiner Familiengeschichte zurückblickt und damit die Feinheiten jenseits der Fassade erblicken kann. Für seine kritische Lektüre meiner Texte danke ich ihm ebenso herzlich wie für Bilder und den nun erwachsenen Austausch.

Dank gebührt natürlich auch allen Leserinnen und Leser des Blogs, aus dem dieses Buch erwachsen ist. Menschen wie Luca Zacchei (Zürich) oder Mario Neuhaus (Hugelshofen), die sich Zeit und Geduld zur Lektüre genommen, mir ermutigende und hilfreiche Rückmeldungen gegeben haben. Vielen Dank auch all den Informantinnen und Informanten, wo auch immer ich sie angetroffen habe, ebenso den Fotografen, die ihr Land auf ihre Weise festgehalten und Momente mit mir geteilt haben.

Weinfelden, im September 2018

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